Selbstständig und Kredit: Warum Banken bei Ihnen anders rechnen
Von Johanna Brecht, Redakteurin für Verbraucherfinanzen · 9.9.2026 · 11 Min. Lesezeit
Der Termin dauert vierzig Minuten, und am Ende liegt eine Liste auf dem Tisch: Steuerbescheide mehrerer Jahre, die Einnahmenüberschussrechnung, eine betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) aus dem laufenden Jahr, Kontoauszüge, dazu eine Aufstellung der privaten Ausgaben. Ein angestellter Bekannter mit demselben Wunsch – 40.000 Euro für ein Fahrzeug – hätte drei Gehaltsabrechnungen gebraucht.
Das ist kein Misstrauen gegen Selbstständige, auch wenn es sich so anfühlt. Es ist eine Folge davon, wie eine Bank Ihr Einkommen überhaupt feststellen kann. Bei einem Angestellten steht die Zahl auf einem Papier, das ein Dritter ausgestellt hat und für dessen Richtigkeit er einsteht. Bei Ihnen steht sie in Unterlagen, die Sie selbst erstellt haben, und sie beschreibt das vorletzte Jahr, nicht die nächsten zwölf Monate.
3,7 Millionen Menschen in Deutschland waren 2025 selbstständig oder mithelfende Familienangehörige, 38.000 weniger als im Jahr davor. Gleichzeitig haben die deutschen Banken im zweiten Quartal 2026 ihre Kreditrichtlinien im Unternehmenskreditgeschäft gestrafft und das vor allem mit gestiegenen Kreditrisiken begründet. Wer in dieser Lage einen Termin hat, sollte wissen, worauf am Tisch gegenüber geschaut wird.
Firma und Person sind bei Ihnen dieselbe Bonität
Ein Einzelunternehmen ist keine eigene juristische Person. Es gibt kein Firmenvermögen, das vom Vermögen des Inhabers getrennt wäre; wer als Einzelunternehmer oder Freiberufler arbeitet, haftet unbeschränkt. Für die Bank folgt daraus eine schlichte Konsequenz: Sie prüft beide Seiten und legt sie übereinander.
In der Praxis sind das zwei Abfragen. Auf Ihre Person läuft eine Auskunft bei der SCHUFA – seit dem 17. März 2026 mit der Skala von 100 bis 999 Punkten, bei der ein hoher Wert der bessere ist. Auf Ihren Betrieb läuft eine Wirtschaftsauskunft, häufig mit dem Bonitätsindex der Creditreform. Dessen Skala reicht von 100 bis 600, und hier ist umgekehrt der niedrige Wert der bessere. Diese beiden Skalen laufen gegeneinander, was in Gesprächen regelmäßig für Verwirrung sorgt.
Der Punkt, den viele unterschätzen, liegt dazwischen. Ein privater Ratenkredit, ein dauerhaft ausgeschöpfter Dispo, eine alte Mobilfunkforderung: All das steht in der Auskunft zu Ihrer Person und wirkt auf die Entscheidung über einen Betriebsmittelkredit. Umgekehrt genauso. Die Trennung, die Sie in Ihrer Buchhaltung sauber ziehen, zieht die Bank an dieser Stelle nicht.
Im Bonitätsindex der Creditreform gehen Rechtsform und Unternehmensalter mit je vier Prozent ein – zwei Merkmale, an denen Sie nichts ändern können. Die Zahlungsweise wiegt mit 25 Prozent weit schwerer, und über die entscheiden Sie jeden Monat neu.
Warum die Bank so viele Unterlagen verlangt
Bei einer GmbH kann die Bank nachsehen, bevor sie fragt. Was eine Kapitalgesellschaft über ihr Geschäftsjahr offenzulegen hat, steht nach § 325 HGB spätestens zwölf Monate nach dem Stichtag im Unternehmensregister; bleibt es aus, greift das Ordnungsgeld des § 335 HGB. Über ein Einzelunternehmen steht dort nichts. Es existiert keine öffentliche Zahl zu Ihrem Betrieb, und deshalb muss die Bank sie bei Ihnen holen.
Aufsichtsrechtlich zwingend ist das erst weiter oben. § 18 Absatz 1 KWG lässt einen Kredit oberhalb von 1.500.000 Euro – bei kleineren Häusern oberhalb von 10 Prozent ihres Kernkapitals – nur zu, wenn der Kreditnehmer seine wirtschaftlichen Verhältnisse offenlegt. Darunter ist die Unterlagenliste keine gesetzliche Pflicht, sondern Hauspolitik – was wenig hilft, weil jedes Haus eine hat.
Ein Sonderfall betrifft Gründerinnen und Gründer. Nach § 513 BGB gelten die Vorschriften über Verbraucherdarlehen auch für natürliche Personen, die ein Darlehen für die Aufnahme einer gewerblichen oder selbständigen beruflichen Tätigkeit aufnehmen – es sei denn, der Nettodarlehensbetrag übersteigt 75.000 Euro. Unterhalb dieser Grenze haben Sie die Rechte eines Verbrauchers: die Prüfung der Kreditwürdigkeit nach § 505a BGB, die vorvertraglichen Informationen und ein Widerrufsrecht von 14 Tagen nach § 355 Absatz 2 BGB. Oberhalb dieser Grenze nicht.
Was die Bank in welcher Unterlage sucht
| Unterlage | Wonach gesucht wird |
|---|---|
| Steuerbescheide mehrerer Jahre | Von einem Dritten festgestellter Gewinn – die einzige Zahl, die nicht von Ihnen stammt |
| EÜR oder Jahresabschluss | Aufbau der Erträge, Kostenblöcke, Abschreibungen, Verlauf über die Jahre |
| BWA aus dem laufenden Jahr | Das laufende Jahr, weil der letzte Bescheid oft anderthalb Jahre alt ist |
| Kontoauszüge | Rücklastschriften, Pfändungen, Dauer und Höhe der Dispo-Nutzung |
| Umsatzsteuervoranmeldungen | Die jüngsten belastbaren Umsatzzahlen, monatlich oder quartalsweise |
| Aufstellung privater Ausgaben | Was nach Steuern, Krankenversicherung und Vorsorge zum Leben übrig bleibt |
EÜR oder Bilanz – und was daraus gelesen wird
Wer nicht gesetzlich zur Buchführung verpflichtet ist und auch freiwillig keine Bücher führt, darf den Gewinn nach § 4 Absatz 3 EStG als Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben ansetzen. Die Einnahmenüberschussrechnung ist nach § 60 Absatz 4 EStDV elektronisch nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz zu übermitteln; nur auf Antrag und zur Vermeidung unbilliger Härten geht es auf Papier.
Wo die Pflicht zur Bilanz beginnt, steht in zwei Gesetzen mit denselben Zahlen:
| Schwelle | Wert | Fundstelle |
|---|---|---|
| Buchführungspflicht Gewerbe (Umsatz) | über 800.000 Euro im Kalenderjahr | § 141 AO |
| Buchführungspflicht Gewerbe (Gewinn) | über 80.000 Euro im Wirtschaftsjahr | § 141 AO |
| Befreiung für Einzelkaufleute | an zwei Stichtagen in Folge höchstens 800.000 Euro Umsatzerlöse, dazu ein Jahresüberschuss von nicht mehr als 80.000 Euro | § 241a HGB |
| Kleinunternehmer bei der Umsatzsteuer | 25.000 Euro im Vorjahr, 100.000 Euro im laufenden Jahr | § 19 UStG |
| Gründungsdarlehen als Verbraucherdarlehen | bis 75.000 Euro Nettodarlehensbetrag | § 513 BGB |
| Offenlegungspflicht gegenüber der Bank | ab 1.500.000 Euro oder ab 10 Prozent des Kernkapitals, je nachdem, was zuerst erreicht ist | § 18 KWG |
Zwei Feinheiten sind wichtig. Erstens greift die Buchführungspflicht nach § 141 AO nicht automatisch mit dem Überschreiten der Grenze, sondern erst vom Beginn des Wirtschaftsjahres an, das auf die Mitteilung des Finanzamts folgt. Zweitens nennt § 141 AO ausdrücklich gewerbliche Unternehmer sowie Land- und Forstwirte. Freiberufliche Tätigkeiten nach § 18 EStG – Ärzte, Rechtsanwälte, Ingenieure, Architekten, Journalisten, Dolmetscher und ähnliche Berufe – stehen dort nicht. Eine Ärztin mit 300.000 Euro Gewinn bleibt bei der EÜR, wenn sie nicht freiwillig bilanziert.
Für die Kreditabteilung ist das relevant, weil eine EÜR nach Zufluss und Abfluss rechnet. Eine im Dezember gestellte, im Februar bezahlte Rechnung erscheint im Folgejahr. Wer kurz vor dem Jahreswechsel eine größere Anschaffung bezahlt, drückt den Gewinn des laufenden Jahres. Das ist zulässig und macht die Zahlen trotzdem schwerer vergleichbar. Genau deshalb legen Banken mehrere Jahre nebeneinander, statt nur das letzte anzusehen.
Schwankende Einnahmen: was daraus gemacht wird
Ein Angestellter liefert zwölf gleiche Zahlen. Sie liefern drei verschiedene, und die Bank braucht am Ende eine. Wie sie diese eine Zahl bildet, veröffentlicht kein Institut. Aus der Praxis lassen sich aber drei Muster benennen, die immer wieder auftauchen.
Eine fallende Reihe wird härter bewertet als eine gleichmäßig niedrige. 90.000, 70.000 und 50.000 Euro Gewinn ergeben einen schlechteren Eindruck als dreimal 70.000 Euro, obwohl der Durchschnitt derselbe ist. Ein einzelner Ausreißer nach oben trägt selten, weil ein Großauftrag kein Einkommen ist, mit dem man rechnen kann. Und wer den überwiegenden Teil seines Umsatzes mit einem einzigen Auftraggeber macht, wird darauf angesprochen werden – nicht wegen der Höhe, sondern wegen der Abhängigkeit.
Wer die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG nutzt, hat einen praktischen Nachteil: Ohne Voranmeldungen fehlen der Bank die jüngsten, gegenüber dem Finanzamt erklärten Umsatzzahlen. Dann zählt der letzte Steuerbescheid umso mehr, und der ist im Zweifel alt.
Privatentnahmen: die Zeile, an der es am häufigsten hakt
Entnahmen sind nach § 4 Absatz 1 Satz 2 EStG alle Wirtschaftsgüter, die Sie dem Betrieb für sich, Ihren Haushalt oder andere betriebsfremde Zwecke entnehmen. Steuerlich ist das eine Rechengröße. Im Kreditgespräch ist es die interessanteste Zeile des ganzen Ordners, weil sie zeigt, wie viel Ihr Betrieb tatsächlich tragen muss.
Der Gewinn ist nicht das, was Ihnen zum Leben bleibt. Davon gehen Einkommensteuer samt Nachzahlungen ab, der volle Krankenversicherungsbeitrag und die Altersvorsorge – genau die Posten, die in vielen Selbsteinschätzungen fehlen.
Zwei Befunde führen fast immer zu Rückfragen. Liegen die Entnahmen dauerhaft über dem Gewinn, verbrauchen Sie Substanz – das sieht man in der Bilanz oder am schrumpfenden Kontostand, und die Rate müsste zusätzlich getragen werden. Liegen die Entnahmen dagegen auffällig niedrig, will die Bank wissen, wovon Sie leben. Beides ist erklärbar. Unerklärt ist beides ein Problem.
Ein Konto für den Betrieb, eines für privat
Vermischte Konten kosten Sie im Kreditgespräch mehr als die Kontoführungsgebühr, die Sie sparen. Die BWA passt dann nicht zum Kontoauszug, jede private Abbuchung will erklärt werden, und eine Rücklastschrift steht mitten zwischen Lieferantenzahlungen. Rechnen Sie außerdem damit, dass niemand Ihnen ein Geschäftskonto schuldet: Der Anspruch auf ein Basiskonto nach § 31 ZKG steht nur Verbrauchern zu, nicht Unternehmen.
Eigenkapital, Sicherheiten und die Lage am Markt
Eigenkapital ist der Puffer, den die Bank sehen möchte, bevor sie über Sicherheiten spricht. Im Mittelstand ist die Lage zweigeteilt: Nach der Creditreform-Erhebung vom Frühjahr 2026 hatten 36,0 Prozent der befragten Unternehmen eine Eigenkapitalquote über 30 Prozent – der höchste Wert seit 30 Jahren. Gleichzeitig lagen 27,6 Prozent unter zehn Prozent. Wer in der zweiten Gruppe steht, braucht Sicherheiten oder ein Förderprogramm.
Bei der KfW gibt es den ERP-Gründerkredit StartGeld mit bis zu 200.000 Euro, davon höchstens 80.000 Euro für Betriebsmittel; die KfW übernimmt 80 Prozent des Kreditrisikos. Zwei Punkte werden dabei oft überlesen. Der Antrag läuft über Ihren Finanzierungspartner, also die Hausbank, und er muss vor dem Beginn des Vorhabens gestellt werden. Die Haftungsfreistellung nimmt der Bank Risiko ab, aber nicht die Prüfung: Sie entscheidet weiterhin selbst und holt dafür auch eine Auskunft über Sie ein.
Schritt für Schritt vor dem Banktermin
- Beide Auskünfte anfordern. Die Datenkopie zu Ihrer Person nach Art. 15 DSGVO ist kostenlos. Bei der Creditreform ist die Eigenauskunft nach Art. 15 Absatz 3 DSGVO ebenfalls kostenfrei; der Versand erfolgt ausschließlich per Post, persönlich adressiert an den Inhaber oder Geschäftsführer. Die Frist beträgt einen Monat nach Art. 12 Absatz 3 DSGVO.
- Jeden Negativeintrag einzeln prüfen. Damit eine offene Forderung in die Berechnung Ihres Wahrscheinlichkeitswerts eingehen darf, müssen die Bedingungen des § 31 Absatz 2 BDSG erfüllt sein: zwei schriftliche Mahnungen nach der Fälligkeit, zwischen der ersten Mahnung und der Meldung mindestens vier Wochen, ein Hinweis darauf, dass die Sache bei einer Auskunftei landen kann – frühestens zusammen mit der ersten Mahnung –, und kein Widerspruch des Schuldners. Wo einer dieser Punkte fehlt, steht der Eintrag auf schwachem Grund.
- Falsches berichtigen lassen. Art. 16 DSGVO für unrichtige Angaben, Art. 17 für die Löschung. Die Frist beträgt einen Monat, verlängerbar um zwei. Nach Art. 19 DSGVO können Sie verlangen zu erfahren, wer die falschen Daten bereits erhalten hat.
- Die Unterlagen vollständig zusammenstellen. Steuerbescheide, EÜR oder Abschluss, aktuelle Auswertung, Kontoauszüge, Umsatzsteuervoranmeldungen. Eine Lücke fällt stärker auf als eine schwache Zahl.
- Die Konten trennen, wenn das noch nicht geschehen ist. Das wirkt nicht sofort, aber sechs saubere Monate sind vor dem nächsten Termin mehr wert als jede Erklärung.
- Die Entnahmen erklären können. Eine Seite genügt: Gewinn, Steuern, Krankenversicherung, Vorsorge, private Fixkosten, verbleibender Betrag.
- Die Schwankungen selbst ansprechen. Wer das schwächste Jahr von sich aus erklärt, bevor jemand danach fragt, verliert die Kontrolle über das Gespräch nicht.
- Erst die Auskunft klären, dann den Termin machen. Ein bereinigter Datensatz vor der Anfrage ist mehr wert als jede Nachbesserung danach.
Was FIAON dabei übernimmt
Weil bei Einzelunternehmern und Freiberuflern die Zahlen zum Betrieb und die Daten zur Person in derselben Entscheidung landen, holt FIAON beide Auskünfte zusammen: mit Ihrer Vollmacht, in einem Vorgang, ohne zwei getrennte Wege. Zu jeder Zeile steht danach da, wer sie gemeldet hat, welches Datum die Löschfrist auslöst und ob die gesetzlichen Bedingungen für die Meldung damals erfüllt waren. Hält eine Zeile dieser Nachrechnung nicht stand, formuliert FIAON die Berichtigung, schickt sie ab und behält Frist und Antwort im Blick. Steht danach eine Firmenkarte an, wird der Antrag vorbereitet. FIAON ist weder Bank noch Inkassodienst noch Kanzlei; ob Konto, Karte, Kredit und Rahmen zustande kommen, entscheidet allein das jeweilige Institut.
Was nicht geht
Einen Kredit ohne Prüfung der Bonität gibt es nicht. Bei einem Gründungsdarlehen bis 75.000 Euro ist die Prüfung sogar gesetzlich vorgeschrieben (§ 505a BGB). Wer mit „ohne Auskunft“ wirbt und vor der Auszahlung Gebühren verlangt, verkauft etwas anderes als einen Kredit.
Ein gut formulierter Brief räumt keinen Eintrag ab, der zu Recht besteht. Eine offene, sauber gemeldete Forderung können Sie bezahlen; ab der Erledigung läuft die Löschfrist, und ein früheres Ende kann Ihnen niemand zusagen.
Wie eine Bank aus Ihren drei Jahren eine Kreditentscheidung macht, ist nicht veröffentlicht. Wer Ihnen vorher sagt, welche Rate „durchgeht“, rät. Und ein Recht auf ein Geschäftskonto besteht nicht – das Basiskonto nach § 31 ZKG gilt für Verbraucher.
Was in Ihrem Fall gilt, klärt am Ende nur eine Kanzlei oder Ihr Steuerbüro; dieser Text nimmt Ihnen diese Prüfung nicht ab.
Das Wichtigste in drei Sätzen
Als Einzelunternehmer oder Freiberufler haben Sie keine zweite, geschützte Bonität: Die Bank prüft Ihren Betrieb und Sie persönlich und rechnet beides zusammen. Sie verlangt deshalb Unterlagen statt Gehaltsabrechnungen, und die kritische Zeile darin sind selten die Umsätze, sondern die Privatentnahmen. Klären Sie Ihre Auskünfte und trennen Sie Ihre Konten, bevor Sie den Termin machen – nach der Anfrage ist beides nur noch halb so viel wert.
Häufige Fragen
Warum will die Bank meine privaten Kontoauszüge sehen, obwohl es um einen Betriebskredit geht?
Weil ein Einzelunternehmen keine eigene juristische Person ist und Sie unbeschränkt haften. Für die Bank sind Betrieb und Inhaber ein einziger Schuldner, deshalb prüft sie beide Seiten. Ein privater Ratenkredit oder ein dauerhaft ausgeschöpfter Dispo wirkt in derselben Entscheidung wie eine schwache Betriebszahl.
Ab wann muss ich als Selbstständiger eine Bilanz vorlegen statt einer EÜR?
Für gewerbliche Unternehmer beginnt die Buchführungspflicht nach § 141 AO oberhalb von 800.000 Euro Umsatz im Kalenderjahr oder 80.000 Euro Gewinn im Wirtschaftsjahr – und zwar erst ab dem Wirtschaftsjahr, das auf die Mitteilung des Finanzamts folgt. Handelsrechtlich sind Einzelkaufleute nach § 241a HGB bei denselben Werten an zwei Stichtagen in Folge befreit. Freiberufler nach § 18 EStG nennt § 141 AO nicht; sie bleiben bei der EÜR, wenn sie nicht freiwillig bilanzieren.
Wie viele Jahre Steuerbescheide verlangen Banken?
Das legt jedes Haus selbst fest, denn eine gesetzliche Pflicht zur Offenlegung besteht nach § 18 Absatz 1 KWG erst oberhalb von 1.500.000 Euro, bei kleineren Häusern ab 10 Prozent ihres Kernkapitals. Üblich ist eine Reihe mehrerer Jahre, weil die Bank den Verlauf sehen möchte und nicht nur einen Wert. Fragen Sie vor dem Termin nach der genauen Liste, damit keine Lücke bleibt.
Gelten für einen Gründungskredit dieselben Regeln wie für einen Firmenkredit?
Nicht ganz. Nach § 513 BGB gelten die Vorschriften über Verbraucherdarlehen auch für Existenzgründer, solange der Nettodarlehensbetrag 75.000 Euro nicht übersteigt. Darunter greifen die Prüfung der Kreditwürdigkeit nach § 505a BGB, die vorvertraglichen Informationspflichten und ein Widerrufsrecht von 14 Tagen nach § 355 Absatz 2 BGB. Oberhalb dieser Grenze gilt das nicht mehr.
Meine Einnahmen schwanken stark. Ist das automatisch ein Ablehnungsgrund?
Nein, aber es verändert die Rechnung. Eine fallende Reihe wirkt schwerer als eine gleichmäßig niedrige, und ein einzelner starker Monat trägt selten. Was hilft, ist eine nachvollziehbare Erklärung für das schwächste Jahr und eine Aufstellung Ihrer Privatentnahmen, aus der hervorgeht, wie viel nach Steuern, Krankenversicherung und Vorsorge tatsächlich zur Verfügung steht.