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Dauerhaft im Dispo: Was 11 Prozent wirklich kosten, was Banken darin lesen – und die drei Wege raus
Der Dispo ist der bequemste Kredit Deutschlands und einer der teuersten. Wer dauerhaft im Minus steht, zahlt nicht nur Zinsen – er hinterlässt im Kontoauszug das Signal, das Kartenpartner am wenigsten sehen wollen.
Von Johanna Brecht, Redakteurin für Verbraucherfinanzen · 2.9.2026 · 6 Min. Lesezeit
Der Dispo hat keinen Vertrag, den man unterschreibt, keine Rate, die man plant, kein Ende, an dem man ankommt. Er ist einfach da – und für Millionen Menschen ist er nicht die Reserve für den Notfall, sondern der Normalzustand. Nach einer Auswertung der Verbraucherzentrale Hamburg nutzt ein erheblicher Teil der Kontoinhaber den Dispo regelmäßig; wie viele dauerhaft darin stehen, erfasst keine Statistik genau. Aus Kontoauszügen, die FIAON mit Kunden liest, ist es der häufigste Befund überhaupt.
Dieser Text rechnet, was das kostet, erklärt, warum der Dauer-Dispo für Banken schwerer wiegt als mancher alte Eintrag – und beschreibt die drei Wege, die aus dem Minus führen.
Was der Dispo kostet
Die Zinsen für Dispokredite lagen in Deutschland im November 2025 nach einer Auswertung von Verivox über mehr als 1.000 Banken im Schnitt bei 11,31 Prozent; Stiftung Warentest ermittelte im Juni 2025 einen Durchschnitt von 11,22 Prozent, nach über zwölf Prozent im Jahr davor. Die Spanne ist groß: Einzelne Institute verlangen um 7 Prozent, andere über 16. Für die geduldete Überziehung – alles über dem Limit – kommen häufig weitere Prozentpunkte hinzu.
Konkret: Wer dauerhaft 1.800 Euro im Minus steht, zahlt bei 11,3 Prozent rund 203 Euro Zinsen im Jahr – etwa 17 Euro im Monat, jeden Monat, ohne dass sich am Minus etwas ändert. Über drei Jahre sind das mehr als 600 Euro für nichts. Der Dispo-Rechner rechnet es für Ihren Stand und Ihren Zinssatz, der im Preisaushang Ihrer Bank steht.
Quelle: Verivox, Dispozins-Auswertung November 2025; Stiftung Warentest, Finanztest Juni 2025.
Was Banken darin lesen
Der eingeräumte Dispo wird der SCHUFA in der Regel nicht als Kredit gemeldet. Das führt zu einem Missverständnis: Viele glauben, der Dispo sei für ihre Bonität unsichtbar. Für die Auskunftei ja – für die Bank nein. Wer eine Kreditkarte, einen Ratenkredit oder auch nur ein neues Konto beantragt, legt in aller Regel Kontoauszüge vor, und Kartenpartner lesen sie mit einer Frage: Kommt diese Person mit ihrem Geld aus?
Ein Konto, das seit Monaten am Limit steht, beantwortet die Frage. Es ist das Negativmerkmal, das keine Auskunft zeigt, und in der Praxis der Kartenvergabe wiegt es schwerer als ein drei Jahre alter, erledigter Eintrag. Umgekehrt gilt: Ein Konto, das in sechs Monaten von 1.800 Euro Minus auf null geht, erzählt genau die Geschichte, die eine Bank sehen will – Kontrolle.
Weg 1: Der Ratenkredit zur Ablösung
Ein Ratenkredit über die Dispo-Summe zu 6 bis 9 Prozent, mit fester Rate über 24 oder 36 Monate, ist rechnerisch fast immer günstiger als der Dispo – der Rechner zeigt die Differenz in Euro. Er hat zwei Voraussetzungen. Erstens: Eine Bank muss ihn geben; mit negativen Einträgen ist das schwierig, und die Anfrage sollte als Konditionsanfrage gestellt werden, damit sie den Score nicht berührt. Zweitens, und wichtiger: Der Dispo darf danach nicht wieder aufgebaut werden. Wer den Kredit aufnimmt und drei Monate später wieder im Minus steht, hat zwei Schulden. Lassen Sie sich das Limit senken, wenn der Kredit läuft.
Weg 2: Der feste Abbau
Ohne Kredit funktioniert es mit Disziplin und einem Dauerauftrag: ein fester Betrag am Tag nach dem Gehaltseingang auf ein Unterkonto oder ein Tagesgeldkonto, das den Dispo Monat für Monat sinken lässt. Bei 1.800 Euro und 150 Euro im Monat dauert das rund 13 Monate; bei 200 Euro rund 10. Der Rechner zeigt, was 50 Euro mehr ausmachen – oft mehrere Monate.
Der Trick ist die Automatik: Wer jeden Monat neu entscheidet, entscheidet irgendwann anders. Wer den Dauerauftrag einrichtet und das Limit parallel schrittweise senken lässt, kann nicht zurück.
Weg 3: Das Limit senken
Der unterschätzte Hebel. Die Bank räumt den Dispo ein, aber Sie bestimmen die Höhe – Sie können ihn jederzeit senken lassen, auch stufenweise: von 2.000 auf 1.500, drei Monate später auf 1.000. Das erzwingt den Abbau und verhindert den Rückfall. Wer den Dispo ganz auf null setzt, bevor das Konto es hergibt, riskiert allerdings Rücklastschriften – und die sind schlimmer als der Dispo. Senken Sie in dem Tempo, in dem Sie abbauen.
Wenn die Bank kündigt
Die Bank darf den Dispo mit angemessener Frist kündigen; dann wird die Summe auf einmal fällig. Das ist der Moment, in dem aus dem unsichtbaren Minus ein sichtbarer Eintrag werden kann: Wer nicht zurückzahlt, wird gemahnt und gemeldet. Reagieren Sie sofort und schriftlich mit einem Ratenangebot – der Ratenplan-Rechner formuliert es –, und bitten Sie ausdrücklich darum, während der pünktlichen Rückführung keine Meldung zu veranlassen.
Schritt für Schritt: In sechs Monaten aus dem Minus
- Den Stand ehrlich aufschreiben. Dispo-Betrag, Zinssatz aus dem Preisaushang, Limit. Dazu die letzten drei Kontoauszüge: Wann im Monat ist der Stand am tiefsten, wann am höchsten? Das zeigt, wie viel „Minus“ wirklich strukturell ist und wie viel Timing.
- Spielraum ermitteln. Mit dem Spielraum-Rechner Einnahmen gegen Fixkosten und Lebenshaltung stellen. Der Betrag, der übrig bleibt, ist die Obergrenze für den Abbau – und die Hälfte davon die Rate, die auch im schlechten Monat hält.
- Weg wählen. Ratenkredit, wenn eine Bank ihn zu einem Zins unter dem Dispo gibt – per Konditionsanfrage. Sonst fester Abbau per Dauerauftrag. Der Dispo-Rechner zeigt beide in Monaten und Euro.
- Automatik einrichten. Dauerauftrag auf ein Unterkonto am Tag nach dem Gehaltseingang; das Unterkonto tilgt den Dispo. Wer den Betrag jeden Monat neu überweisen muss, überweist ihn irgendwann nicht.
- Limit senken lassen. Alle drei Monate um den Betrag, den Sie abgebaut haben. So kann der alte Stand nicht zurückkommen – und die Bank sieht, dass Sie das Konto führen, nicht das Konto Sie.
- Rückschläge einplanen. Ein Puffer von einer Monatsrate auf dem Girokonto fängt Autoreparatur oder Nachzahlung ab, ohne dass der Dispo wieder wächst. Fehlt der Puffer, geht er vor dem Abbau.
Ein Rechenbeispiel macht die Wirkung greifbar. 1.800 Euro Dispo bei 11,3 Prozent, 150 Euro Abbau im Monat: Nach 13 Monaten steht das Konto auf null, die Zinsen bis dahin betragen rund 110 Euro. Mit 200 Euro im Monat sind es zehn Monate und rund 85 Euro Zinsen. Der Ratenkredit über 1.800 Euro zu 7,5 Prozent auf 24 Monate kostet rund 81 Euro Rate und rund 143 Euro Zinsen – teurer als der zügige Abbau, aber mit einer festen Rate, die den Dispo sofort auf null setzt und die Versuchung beendet. Welcher Weg der richtige ist, entscheidet weniger die Rechnung als die Frage, ob Sie sich zutrauen, das Limit nicht wieder auszureizen.
Für Kunden, die über FIAON auf eine Kreditkarte hinarbeiten, gilt eine Faustregel aus der Kartenvergabe: Der Kontoauszug der letzten drei Monate sollte keinen dauerhaften Dispo mehr zeigen, wenn der Antrag gestellt wird. Ein kurzes Minus um den Monatswechsel ist unproblematisch; ein Konto, das nie über null steigt, ist ein Ausschlusskriterium – unabhängig vom Score.
Was nicht geht
Der Dispo lässt sich nicht „wegverhandeln“, und ein niedrigerer Zins bei derselben Bank ist selten – die Sätze sind Preisaushang, nicht Verhandlungssache. Ein Kontowechsel zu einer günstigeren Bank hilft nur, wenn die neue Bank den Dispo überhaupt einräumt, was mit Einträgen unwahrscheinlich ist. Und keine der drei Wege wirkt, wenn das Grundproblem – Ausgaben über Einnahmen – nicht angegangen wird. Der Spielraum-Rechner zeigt, ob überhaupt Luft für einen Abbau da ist; wenn nicht, ist die kostenlose Schuldnerberatung der bessere erste Schritt.
FIAON liest den Kontoauszug mit Ihnen – Einnahmen, Fixkosten, Dispo, Rücklastschriften – und baut daraus den Fahrplan, an dessen Ende Konto und Karte stehen. Der Dispo ist darin fast immer die erste Etappe. Mehr auf der Seite Bonität verbessern.
Häufige Fragen
Wie hoch sind Dispozinsen aktuell?
Im Durchschnitt rund 11,3 Prozent im Jahr (Verivox, Auswertung November 2025; Stiftung Warentest, Juni 2025: 11,22 Prozent). Die Spanne zwischen den Banken reicht von etwa 7 bis 17 Prozent. Für die geduldete Überziehung über das Limit hinaus verlangen viele Institute noch mehr.
Meldet die Bank meinen Dispo an die SCHUFA?
Der eingeräumte Dispo wird in der Regel nicht als Kredit gemeldet. Gemeldet wird eine Kündigung mit offener Forderung oder eine Überziehung, die die Bank als Vertragsverletzung wertet. Unabhängig davon lesen Banken und Kartenpartner den Kontoauszug – und dort ist ein dauerhaft ausgereizter Dispo sofort sichtbar.
Lohnt sich ein Ratenkredit zur Ablösung?
Rechnerisch fast immer, wenn der Kreditzins deutlich unter dem Dispozins liegt und die Rate sicher tragbar ist. Der Dispo-Rechner zeigt die Differenz. Voraussetzung ist, dass der Dispo danach nicht wieder aufgebaut wird – sonst haben Sie zwei Schulden statt einer. Fragen Sie mit einer Konditionsanfrage an, sie ist SCHUFA-neutral.
Was ist eine geduldete Überziehung?
Alles, was über das eingeräumte Limit hinausgeht. Die Bank duldet es, muss es aber nicht – sie kann die Überziehung jederzeit zurückfordern und verlangt oft einen höheren Zins. Die geduldete Überziehung ist die teuerste Kreditform im Alltag und ein Grund für Kündigungen.
Kann die Bank meinen Dispo einfach kündigen?
Ja, mit angemessener Frist – dann wird die Summe auf einmal fällig. Reagieren Sie sofort schriftlich mit einem Ratenangebot; eine geplatzte Rückführung nach Kündigung führt zur Meldung. Der Ratenplan-Rechner formuliert das Angebot.